Der Superevent des Jahres 2005

live aus 2964m im Wettersteingebirge / Tirol

 

oben am Gipfel

Blick aufs Blatt

Tom

Gepäck in der Gondel

Die Seilbahn unten

Blick aus der Seilbahn nach oben

Die Helden sind müde

Blick aus der Seilbahn nach unten

Der Eibsee

In der Bahn

der Eibsee

 

Alles in allem eine sehr gelungene Aktion. 
ABER ACHTUNG !

 

Nicht jedem ist es gesundheitlich gestattet, sich über einen längeren Zeitraum schlagartig auf 3000m aufzuhalten. Risikopatienten sind Raucher, Übergewichtige und Herzleitende...Schlaganfälle und Herzanfälle/infarkte sind hier auf der Spitz die Tagesordnung. Dies bestätigte auch die Seilbahnschaffnerin und einige andere, mit denen wir dort gesprochen haben. 

Höhenkrankheit  

Mit steigender Höhe sinkt der Luftdruck und der absolute (nicht relative) Sauerstoffgehalt pro Kubikmeter Luft. Auf 5000 m Höhe ist der Sauerstoffpartialdruck nur noch halb so hoch wie auf Meereshöhe.

0 - 3000 m: mittlere Höhe. Im allgemeinen nur geringe Probleme ab 2500 m.
3000 - 5000 m: große Höhe, Höhenprobleme treten auf, aber vollständige Akklimatisation bis ca. 5300 m möglich.
5000 - 7500 m: sehr große Höhe. Nur unvollständige Akklimatisation möglich.
über 7500 m: Todeszone. Akuter Kräfteverfall, nur kurzer Aufenthalt möglich.

Körperreaktion: Durch o. g. Gegebenheiten wird weniger Sauerstoff durch die Lunge in den Körper aufgenommen. Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Körper versucht durch erhöhten Pulsschlag und verstärkte Atmung den Mangel auszugleichen. Außerdem wird in einem langsameren Prozeß (4-5 Tage) die Zahl der (sauerstofftransportierenden) roten Blutkörperchen (um bis zu 30-50 %) erhöht (Thrombosegefahr). Normalerweise sind 20-30 % der Blutkapillaren inaktiv. Bei Höhenkrankheit werden einige von ihnen aktiviert, um das Gewebe besser mit Blut zu versorgen. Gleichzeitig wird der anaerobe (sauerstoffunabhängige) Stoffwechsel gefördert.

Körper reagiert: Atmung tiefer und schneller -> mehr Luft gelangt in die Lunge -> Sauerstoffpartialdruck in Lungenbläschen steigt -> Kohlendioxidkonzentration im Blut sinkt -> Säure/Basengleichgewicht des Körpers wird gestört -> es wird vermehrt Hydrogenkarbonat ausgeschieden, um PH-Wert konstant zu halten. Beginn der Reaktionen etwa 1/2 Tag nach erreichen der kritischen Höhen.

AMS = Acute Mountain Sickness ab 3000 m über NN. Ein oder mehrere der folgenden Symptome können auftreten: Erschöpfung, Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Halluzinationen, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Erbrechen, trockener Husten mit Auswurf, Blau-/Graufärbung von Lippen und Nagelbett (Zyanose). Um Gehirn mit genügend Sauerstoff zu versorgen, wird Durchblutung erhöht. Druck im Hirn steigt -> Kopfschmerzen. Da Blut anderswo gebraucht wird, wird Magen/Darmtrakt unterversorgt -> Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen. Cheyne-Stokes-Atmung: Atemtiefe nimmt in Stufen zu, darauf folgt Atempause von 5-50 Sekunden -> Sauerstoffgehalt nimmt weiter ab (besonders im Schlaf, wenn Atmung nicht kontrolliert werden kann). Normalerweise klingen Symptome nach einiger Zeit ab. Linderung nur durch Absteigen auf tiefere Höhen zu erreichen.

Verhaltensregeln:
langsame Akklimatisation. 2-3 Nächte unter 3000 m schlafen. Aklimatisationstage einplanen. Climb high - sleep low: Schlafhöhe immer nur um 500-600 m steigern (zwischenzeitliches Höhersteigen ist eher nützlich als schädlich). Nach 10 Tagen durchschnittliche Anpassung auf 80 %, nach weiteren 5 Wochen auf 95 %.
Ernährung: mind. 4-6 Liter/Tag trinken, kein Kaffee/Alkohol. wenig Fett, viel Vitamine
Überanstrengungen vermeiden, langsam gehen, Atmung kontrollieren, möglichst durch Nase atmen (Austrocknung, Erkältung)
Teleskopstöcke können Atmung erleichtern
guter Sonnenschutz

HAPE = Höhenlungenödem. Wasseransammlung in der Lunge. Wasser wird zurch hohen Blutdruck ausgepresst. Ab 2500-3000 m. Symptome 24 -96 Stunden nach Aufstiegsbeginn. Kurzatmigkeit unter Belastung und trockener Husten (wie bei AMS), Puls und Atemfrequenz steigt weiter, Zyanose-Anzeichen möglich. Später bleibt Kurzatmigkeit auch bei geringer Belastung erhalten, allgemeine Abgeschlagenheit. Kopfschmerzen, starker Husten, Appetitlosigkeit. Nagelbett-Zyanose, Rasselgeräusche in der Lunge (Stetoskop). Später Kurzatmigkeit im Ruhezustand, Puls über 110/min (normal 60-80), Atemfrequienz über 30 (normal 14-18). Brodeln in der Lunge, Husten mit Sekret vermischt, im Extremfall blutiger, hellroter Schaum. Gefahr von Cheyne-Stokes-Atmung, Bewustlosigkeit möglich. Lebensgefahr! Sofortige Helikopter-Evakuierung. Sauerstoffgabe 6 l/min. Abstieg mind. 1000 m. Transport in halbsitzender Position, Atmung erleichtern. Gegen Panik beim Patienten ankämpfen. Warm halten, da Kälte zusätzlich Stress auslösen kann. Nach Abstieg 2-3 Tage jede Anstrengung vermeiden.

HACE = Höhenhirnödem, Relativ selten, ab 3500 m möglich, normalerweise ab 5000 m. Schwellung der Hirnmasse durch Ansammlung von Flüssigkeit und abgestorbenen Hirnzellen. Sehstörungen, Kopfschmerz, Gefühllosigkeit in Extremitäten, Gedächtnisverlust, extreme Abgespanntheit, Erbrechen, Übelkeit, Zyanose, Krampfanfälle. Lebensgefahr! Sofort evakuieren. Transport liegend mit leicht erhöhtem Kopf. Sauerstoff geben.

Thrombose: Durch Dehydration wird in großen Höhen das Blutvolumen verringert, rote Blutkörperchen (vom Körper in Höhe vermehrt produziert) können zusammenkleben. Verstopfungen können Blutversorgung unterbrechen. Lange Wartezeiten im Zelt und enge Kleidung unterstützen Thromben, besonders in Beinen/Waden. Schmerzempfindliche Schwellung entsteht, Körperteil hinter arterienverlegenden Thrombus wird weiß und kalt. Losbrechende Thromben können Lungenembolie verursachen. Vorsorge: Viel Flüssigkeit (3-8 Liter/Tag), Bewegung. Maßnahmen: Kleidung lockern, mit Aspirin Gerinselbildung hemmen, in geringere Höhe transportieren.

Außerdem auftretende Probleme: periphere Höhenödeme, Netzhautblutungen, höhere Neigung zu Erfrierungen.

Optimale Anpassung:
Climb High - Sleep Low (möglichst tiefe Schlafhöhe).
Nicht zu schnell aufsteigen.
Keine anaerobe Anstrengung in der Anpassungsphase.
Täglicher Schlafhöhengewinn maximal 300 - 500 m.
Alle 1000 m ein zusätzlicher Ruhetag.
Möglichst keine Aufstiegshilfen benutzen.
Hohe Flüssigkeitszufuhr.
Kohlehydratreiche Nahrung.
Dont go up until symptoms go down! (Auf Anzeichen von Höhenproblemen achten!)

Zeichen erfolgter Anpassung:
Trainingsgemäße Ausdauer
Ruhepuls wieder auf persönlichen Normalwert gesunken (vorher messen!)
Vertiefte Atmung in Ruhe und Belastung
periodische nächtliche Atmung
ausreichende Höhendiurese (Harndrang)
 

Grundregeln:
Jeder kann höhenkrank werde, aber niemand muss daran sterben!
Jede Gesundheitsstörung ist im Zweifel höhenbedingt!
Nur symptomfrei höher steigen!
Bei Verschlechterung sofort 500 - 1000 m absteigen! (Nicht in Fallen laufen, z.B. Hochtäler, aus denen man nur über noch höhere Pässe wieder herauskommt.)
Höhenkranke nie allein lassen!

Im Notfall: 1000 hm runter, Sauerstoff 2-4 l/min.